osovo darf kein zweites Bosnien werden!« warnten in einem
eindringlichen
Appell am 12. Februar 1998 PRO ASYL zusammen mit der Deutschen
Sektion der »Helsinki Citizens' Assembly« und weitere
deutsche Menschenrechts- und Friedensverbände, darunter Pax
Christi, IPPNW, Komitee für Grundrechte und Demokratie, Netzwerk
Friedenskooperative und anderen. Der Aufruf endete mit dem Satz:
»Ein rechtzeitiger Einsatz für Frieden und Verständigung
in Kosovo kann den nächsten Balkan- Krieg verhindern!«
13 Monate später: Die NATO- Staaten suchen - nach dem Scheitern
der Verhandlungen von Rambouillet - die militärische Lösung,
angeblich, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern.
Aber die humanitäre Katastrophe ist da - und sie war schon
lange vorhersehbar. Die Mahnungen und Warnungen von Friedensforschern
und Experten, Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen,
wie von PRO ASYL seit dem Dayton- Abkommen, blieben ungehört
und wurden in den Wind geschlagen.
Jahrelang bekamen Flüchtlinge aus Kosovo von der Politik,
vom Bundesamt, von den deutschen Behörden und Gerichten zu
hören, daß ihr Flüchtlingsschicksal nicht ausreiche,
daß der Verfolgungsdruck nicht groß genug sei, um
in Deutschland Asyl und Abschiebungsschutz zu erhalten. Zynisch
wurden die Menschen auf eine angebliche inländische Fluchtalternative
verwiesen. Über
Jahre war Milosevic den deutschen Behörden wichtiger Gesprächs-
und Verhandlungspartner - etwa in Sachen »Rückführungsabkommen«
- und wurde noch bis vor kurzem als rechtsstaatlicher Empfänger
abgeschobener Flüchtlinge aus Deutschland akzeptiert. Noch
am 18. November 1998 kam das Auswärtige Amt in seinem Lagebericht
zu der Einschätzung: »Die Wahrscheinlichkeit, daß
Kosovo- Albaner im Falle ihrer Rückkehr in ihrer Heimat massiven
staatlichen Repressionen ausgesetzt sind, ist insgesamt als gering
einzustufen.«
Daß die Eskalation des Konfliktes im Kosovo nicht zuletzt
das Resultat einer unendlichen Folge von Fehleinschätzungen
und Unterlassungen auch der deutschen
Politik ist, von politischer Kurzsichtigkeit und der Verharmlosung
beziehungsweise Verleugnung der Menschenrechtslage und des Verfolgungsdrucks,
wird bei einem Blick auf Presseveröffentlichungen von PRO
ASYL in den letzten zwei Jahren deutlich.
17. Dezember 1996:
PRO ASYL fordert: Aussetzung der Abschiebungen nach Jugoslawien
- »Deutsche Behörden dürfen nicht zu Erfüllungsgehilfen
der jugoslawischen Behörden werden.«
1. Juni 1997:
Menschenrechtslage im Kosovo dramatisch und besorgniserregend:
Dokumentation von PRO ASYL belegt Rückkehrgefährdung
- Aussetzung und Annulierung des Abkommens gefordert
»Das Rückführungsabkommen gefährdet nicht
nur die jeweils Betroffenen, sondern bewegt die jugoslawische
Seite ganz offensichtlich zu einer noch schärferen Gangart
im Kosovo. Bonn darf diese explosive Stimmung nicht noch weiter
anheizen!«
»Bonn muß endlich begreifen, daß internationale
Alleingänge bei der Frage der Rückführung von Flüchtlingen,
Abkommen ohne international überprüfbare Garantien für
die Sicherheit der Rückkehrenden und ohne die Einbeziehung
der zuständigen Gremien wie UNHCR und der Vertretung kosovo-
albanischer Organisationen sich kontraproduktiv auf Menschenrechte
und Flüchtlingsschutz auswirken! Angesichts dieser anhaltend
instabilen und gefährlichen Lage im Kosovo und der nachweislich
vorhandenen Rückkehrgefährdung für Flüchtlinge
fordert PRO ASYL die unverzügliche Aussetzung und Annulierung
des Abkommens.«
12. Februar 1998:
Helsinki Citizens' Assembly - Deutsche Sektion, PRO ASYL und Deutsche
Friedensverbände rufen auf: »Kosova darf kein zweites
Bosnien werden!«
... »Gegen die Entrechtung und Unterdrückung durch
Politik und Polizei der serbischen Republik haben sich die Kosova-
Albaner in bewundernswerter Weise bisher gewaltfrei gewehrt. Ihre
Vertreibung aus den Schulen und Universitäten des Landes
haben sie mit selbstorganisiertem Unterricht unter schwierigsten
Bedingungen beantwortet. Auch im Gesundheitswesen und in der Volkswirtschaft
bemühten sie sich um alternative, selbstbestimmte Strukturen.
Sie haben eine eigene politische Vertretung aufgebaut, die großes
Vertrauen im Lande genießt, auch wenn sie von Serbien nicht
anerkannt wird. Mit ihrer ge waltfreien, sozialen Verteidigung
haben
sie bis jetzt einen neuen Kriegsherd auf dem Balkan verhindert,
in dessen Strudel auch Albanien und Mazedonien gerissen werden
könnten. Sie haben ein Anrecht auf unsere Unterstützung.
Vorbeugen ist das Gebot der Stunde, und keiner kann sagen, dies
nicht gewußt zu haben.
Ein rechtzeitiger Einsatz für Frieden und Verständigung
in Kosova kann den nächsten Balkan- Krieg verhindern.«
5. Mai 1998:
PRO ASYL fordert erneut Abschiebungsstopp für Kosovo- Albaner
Vor dem Hintergrund erneuter Angriffe der jugoslawischen Armee
auf mehrere Dörfer der Krisenprovinz Kosovo und der gezielten
Vertreibung der Kosovo- Albaner aus dem Grenzgebiet zu Albanien
appelliert die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge
PRO ASYL an die Innenministerkonferenz, unverzüglich einen
Abschiebungsstopp für Kosovo- Albaner zu beschließen.
Der Sprecher von PRO ASYL, Heiko Kauffmann, forderte Bundesaußenminister
Kinkel zudem auf, umgehend über die OSZE- Außenministerkonferenz
intensive Friedensbemühungen zur Wiederherstellung der Rechte
der KosovoAlbaner, zur Deeskalation des Konfliktes und zur Vertrauensbildung
zu beginnen.
»Kosovo darf kein zweites Bosnien werden!« erklärte
Kauffmann. Es sei allerhöchste Zeit, entschiedener auf die
Regierung Milosevic einzuwirken und das Erreichen politischer
Ziele durch Gewalt, die »Ethnisierung« durch gezielte
Vertreibung der Kosovo- Albaner zu verhindern. »Es ist drei
Minuten vor Zwölf; täglich wächst für abgeschobene
Flüchtlinge wie für die gesamte Zivilbevölkerung
im Kosovo das Risiko, Opfer von Menschenrechtsverletzungen oder
militärischer Gewalt zu werden«, sagte Kauffmann.
5. Juni 1998:
Zuspitzung im Kosovo- Konflikt - PRO ASYL fordert erneut Abschiebestopp
für Kosovo- Albaner - »Bonner Abschiebepolitik gefährdet
Menschen!«
»Es ist inhuman und widersinnig, Menschen in eine Region
abzuschieben, in der aufgrund der systematischen Zerstörung
ganzer Dörfer und gezielten Vertreibung durch serbische Polizisten
und Soldaten Tausende von Kosovo- Albanern auf der Flucht nach
Montenegro und Albanien sind. Abschiebungen in den Kosovo liefern
die potentiellen Opfer der serbischen Politik einer erneuten Fluchtgefahr
aus«, sagte Kauffmann. Es sei verfehlt, wenn der Bundesaußenminister
nun die Forde
rung einer »Regionalisierung der Flüchtlingsfrage«
erhebe. »An Warnungen und Appellen von seiten des Hohen Flüchtlingskommissars
der Vereinten Nationen, von Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen
hat es in den vergangenen Monaten nicht gefehlt«, sagte Kauffmann.
»Trotzdem haben die Innenminister Flüchtlinge durch
Abschiebungen in dieses Spannungsgebiet an Leib und Leben gefährdet.«
10. Juni 1998:
Entwicklung im Kosovo: PROASYL fordert unverzüglichen Abschiebestopp
»Nachdem europäische Nachbarstaaten wie die Niederlande
und Belgien Abschiebestopps für Kosovo- Albaner erlassen
haben und die UN- Menschenrechtskommissarin Mary Robinson vom
Versagen der internationalen Gemeinschaft im Kosovo sprach, ist
nun jeder einzelne Innenminister gefordert, von der rechtlichen
Möglichkeit, einen sechsmonatigen Abschiebestopp zu erlassen,
Gebrauch zu machen und damit allen Kosovo- Albanern und anderen
gefährdeten Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien den notwendigen
humanitären Schutz zu gewähren«.
23. Juli 1998:
Kosovo: Ablehnung von Asylanträgen ohne Prüfung des
Einzelfalles auf Empfehlung des Auswärtigen Amtes? - PRO
ASYL prangert Doppelzüngigkeit der deutschen Kosovo- Politik
an
In Überschreitung seiner Kompetenz gibt das Auswärtige
Amt unverhohlen Emp fehlungen, wie in Asylverfahren zu entscheiden
ist. PRO ASYL befürchtet, daß künftig Asylanträge
von Mitgliedern der UCK ohne Prüfung des Einzelfalles abgelehnt
werden. (
) PRO ASYL kritisiert den Lagebericht als unverantwortliche
Vermischung von Zuständigkeiten. Aufgabe des Auswärtigen
Amtes sei es, unabhängige Berichte zur Situation im Land
abzugeben. Das Bundesamt müsse in jedem Einzelfall sorgfältig
prüfen, ob Flüchtlinge politisch verfolgt seien.
9. August 1998:
PRO ASYL- Sprecher Heiko Kauffmann in einem Beitrag der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung:
»Da es im Kosovo erwiesenermaßen zu systematischen
Verletzungen der Menschenrechte kommt, die den Charakter einer
Verfolgung haben und daher unter die Genfer Flüchtlingskonvention
fallen, muß das Schutzbedürfnis asylsuchender Menschen
aus dem Kosovo in Europa anerkannt werden. Die Verpflichtung der
Unterzeichnerstaaten der Genfer Flüchtlingskonvention, keine
Flüchtlinge, die um Asyl ersuchen, an den Grenzen zurückzuweisen,
gilt absolut. Es ist klar, daß es weder im Kosovo noch in
Montenegro oder sonstwo in Serbien eine interne Fluchtalternative
gibt, die die Ablehnung eines Asylgesuchs rechtfertigen könnte.
Die EU- Innen- und Außenminister sind gefordert, unverzüglich
eine EU- Sonderkonferenz einzuberufen, um ein humanitäres
Konzept und Sofortprogramm zur Aufnahme von Kosovo- Flüchtlingen
zu entwickeln, mit dem UNHCR abzustimmen und finanzielle Mittel
dafür bereitzustellen. Lastenverteilung heißt,
daß alle EU- Staaten entsprechend ihrer Bevölkerungszahl,
der wirtschaftlichen Kapazität und Infrastruktur ihrer Verantwortung
gerecht werden, Flüchtlinge aufzunehmen.
Das Konzept der Regionalisierung, d. h. die Unterbringung
der Flüchtlinge möglichst nahe ihrer Heimat, muß
auch als Anknüpfung an frühere Bindungen und Bezugspunkte
verstanden werden, an sprachliche, kulturelle, familiäre
und Arbeitsbeziehungen. Es ist nachvollziehbar und verständlich,
daß sich viele bedrohte Flüchtlinge zu ihren Verwandten
nach Deutschland begeben. Von 400.000 Kosovo- Albanerinnen und
-Albanern in Deutschland leben zwei Drittel als Arbeitsmigrantinnen
und -migranten seit vielen Jahren hier.«
13. August 1998:
Kosovo- Unfallopfer von Weißenborn
PRO ASYL erinnert daran, daß die bei dem Busunfall getöteten
Flüchtlinge aus dem Kosovo auch »Opfer der Festung
Europa« seien. Ein »perfektes System der Flüchtlingsabwehr«
sei den KosovoAlbanern, die bei dem Busunglück starben, zum
Verhängnis geworden. Sie hätten berechtigte Fluchtgründe
gehabt, sie seien alle unmittelbar vor dem Bürgerkrieg im
Kosovo geflohen und hätten zu ihren Verwandten, Freundinnen
und Freunden und Bekannten gewollt, die zum Teil schon seit über
20 Jahren in Deutschland, in Belgien und der Schweiz lebten.
14. August 1998:
Lage der Kosovo- Flüchtlinge immer prekärer - PRO ASYL-
Appell zur Aufnahme von Flüchtlingen - Verpflichtung der
Genfer Flüchtlingskonvention ernst nehmen
Angesichts der katastrophalen Entwicklung der Situation von über
200.000 Flüchtlingen im Kosovo richtet die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft
für Flüchtlinge PRO ASYL einen eindringlichen Appell
an die Bundesregierung, Flüchtlinge aus dem Kosovo aufzunehmen,
unverzüglich einen Abschiebestopp in die BR Jugoslawien zu
erlassen, das Rückübernahmeabkommen aufzukündigen
und eine EU- Sonderkonferenz zur Aufnahme von Kosovo- Flüchtlingen
einzuberufen.
Überlegungen deutscher Politiker, Flüchtlinge aus dem
Kosovo in Mazedonien oder Albanien möglichst nahe ihrer Heimat
unterzubringen und dies als ein Konzept der »Regionalisierung«
darzustellen, löse nicht die Probleme, sondern schaffe neue.
Mazedonien werde die Aufnahme einer großen Zahl von Albanerinnen
und Albanern auf unbestimmte Zeit deswegen nicht hinnehmen, weil
dies die Bevölkerungsstruktur weiter verschieben werde.
15. September 1998:
Flüchtlingselend im Kosovo: Eindringlicher Appell von PRO
ASYL - Auch Ignoranz der deutschen Politik führt in eine
humanitäre Katastrophe
Nach der Zurückweisung Tausender Kosovo- Flüchtlinge
durch Montenegro und der Flucht Zehntausender überwiegend
alter Menschen, Frauen und Kinder in die Wälder und Berge
appelliert die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge
PRO ASYL eindringlich an die Bundesregierung und die Regierungen
aller EU- Länder, endlich »ihre Tore zur Rettung von
Menschenleben zu öffnen und Flüchtlinge aufzunehmen«.
»Die europäischen Staaten verschließen die Augen
vor dem Flüchtlingselend im Kosovo«, erklärte der
Sprecher von PRO ASYL, Heiko Kauffmann.
24. September 1998:
Ratstagung der EU- Innenminister: PRO ASYL fordert Aktionsplan
zur Aufnahme von Kosovo- Flüchtlingen - »Flüchtlingsschutz
verbessern, nicht verwässern!«
»Während sich die Situation von Zehntausenden von Flüchtlingen
immer mehr zu einer humanitären Katastrophe ausweitet und
die ersten von über 30.000 in den Wäldern und unter
freiem Himmel unversorgt umherirrenden Kindern bereits gestorben
sind, arbeiten die Schengen- Staaten unter deutschem Vorsitz einen
Aktionsplan zur Bekämpfung der Zuwanderung aus dem Kosovo
aus«, erklärte PRO ASYL- Sprecher Heiko Kauffmann. Es
sei zynisch und beschämend,
daß der deutsche Innenminister die Not und das Schutzbegehren
von Flüchtlingen als »Zustrom illegaler Migration und
damit einhergehender Kriminalität« diffamiere. Kanther
instrumentalisiere wehrlose und schutzsuchende Menschen für
seine Sicherheits- und Abschottungsmanie eines Bollwerks Europa.
Im September 1998
heißt es in einem Beitrag des PRO ASYLSprechers Heiko Kauffmann
für »Wissenschaft und Frieden« (3/ 98):
... »Die zunehmende Gefährdung von Menschen, das
explosive Klima im Kosovo und die Gefahr einer Eskalation der
Gewalt, auf die von PRO ASYL und vielen anderen Menschenrechts-
und
Flüchtlingsorganisationen immer wieder hingewiesen wurde,
sind der Staatengemeinschaft seit langem bekannt. Die katastrophale
Entwicklung in der Region ist auch das Ergebnis mangelnden politischen
Drucks, kurzsichtiger Krisendiplomatie und sich gegenseitig blockierender
Eigeninteressen der westlichen Staaten. Angesicht der Dimension
der Vertreibung darf die deutsche Politik die anstehenden humanitären
Aufgaben nicht länger prioritär unter dem Gesichtspunkt
der Verhinderung der Flüchtlingsaufnahme angehen!«
23. Oktober 1998:
Unfall auf Flucht vor BGS: Folgen der Festung Europa - PRO ASYL:
Schluß mit der Menschenjagd
Der Sprecher von PRO ASYL, Heiko Kauffmann, erklärte heute
in Frankfurt: »Die deutsche Politik wird unglaubwürdig,
wenn sie einerseits mit der Begründung, dem Konflikt im Kosovo
Einhalt gebieten zu wollen, sich für Militärmaßnahmen
ausspricht und andererseits die Opfer dieser humanitären
Katastrophe an ihren Grenzen zurückweist und sie durch staatliche
Verfolgungsmaßnahmen fahrlässig gefährdet.«
11. November 1998:
Umsetzung des Asylbewerberleistungsgesetzes in Berlin - PRO ASYL:
Das Gesetz ermutigt Behörden zu schikanösem Verhalten
Was PRO ASYL bei der Novellierung des Asylbewerberleistungsgesetzes
befürchtet hat, ist nun bereits eingetreten: Sozialbehörden
bedienen sich der gesetzlichen Neuregelung als Legitimation für
rigorose Leistungsverweigerung in großem Stil. So fertigt
die 32. Kammer des VG Berlin mit Beschluß vom 30. Oktober
1998 einen im April nach Deutschland geflohenen Kosovo- Albaner
ab:
»Mag seine Ausreise aus der Heimat auf respektable Gründe
zurückzuführen sein, die Einreise in Deutschland jedenfalls
ist prägend von der Absicht bestimmt, hier auf deutsche Kosten
zu leben.« (AZ: VG 32 A 498.98)
Damit befindet sich der Einzelrichter der 32. Kammer auf der Höhe
des
flüchtlingspolitischen Zeitgeistes: Bei der Flucht aus ihrem
Herkunftsland sind Flüchtlinge noch respektabel, an der deutschen
Grenze werden sie zu illegalen Schmarotzern umdefiniert.
27. Januar 1999:
PRO ASYL warnt vor einer humanitären Katastrophe - Bundesregierung
soll EUPräsidentschaft für konzertierte Aufnahmepolitik
nutzen
Eine sofortige Initiative der deutschen EU- Präsidentschaft
zur Realisierung einer konzertierten Aufnahmepolitik für
Flüchtlinge aus dem Kosovo fordert die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft
für Flüchtlinge PRO ASYL angesichts der dramatischen
Lage vor Ort. »Im Kosovo eskaliert die Gewalt, Zehntausende
von Flüchtlingen versuchen, in zerschossenen Trümmerhäusern,
Kellern und Schuppen zu überleben; Tausende irren im Lande
umher«, erklärte der Sprecher von PRO ASYL, Heiko Kauffmann.
»Die Europäische Union wird sich darauf einstellen müssen,
daß angesichts der Instabilität im Kosovo Menschen
auch weiterhin außerhalb des Konfliktgebietes Zuflucht suchen
werden. Die von der EU propagierte Regionalisierung
der Flüchtlingsaufnahme hat in den Nachbarstaaten des Kosovo
zu verheerenden Zuständen geführt. Die Flüchtlingslager
in Bosnien- Herzegowina, die ursprünglich die Aufnahme zurückkeh
render bosnischer Bürgerkriegsflüchtlinge
gewährleisten sollten, sind mit etwa 10.000 Flüchtlingen
aus dem Kosovo überlastet, die dort unter menschenunwürdigen
Bedingungen leben. In Montenegro laufen die Flüchtlinge konkret
Gefahr, unmittelbar nach Albanien abgeschoben zu werden.«
3. Februar 1999:
PRO ASYL fordert großzügige Altfallregelung - Geplante
Ausschlußkriterien von Kriegsflüchtlingen, insbesondere
von Flüchtlingen aus dem Kosovo und aus Bosnien, nicht akzeptabel
24. Februar 1999:
PRO ASYL fordert großzügige, unbürokratische und
umfassende Altfallregelung
Eine Altfallregelung unter Ausschluß bestimmter Flüchtlingsgruppen
(wie Kosovo- Albaner, Bosnier oder Vietnamesen) sei unter den
genannten Integrationsaspekten nicht akzeptabel.
24. März 1999:
Krieg im Kosovo - EU- Ratstreffen in Berlin - PRO ASYL fordert
sofortiges Aufnahmekonzept für Flüchtlinge - »Die
humanitäre Katastrophe ist da!«
Wie das Auswärtige Amt die Geschichte umschreibt
Auswärtiges Amt: Bericht zur asyl- und abschiebungsrelevanten
Lage in der Bundesrepublik Jugoslawien, hier: Lage im Kosovo (11.
März 1998)
»Auch nach den jüngsten Ereignissen im Kosovo ist grundsätzlich
nicht mit einer gezielten Verfolgung von rückkehrenden Kosovo-
Albanern durch staatliche Organe zu rechnen.«
Auswärtiges Amt: Bericht zur asyl- und abschiebungsrelevanten
Lage in der Bundesrepublik Jugoslawien vom 18. November 1998
»Die Wahrscheinlichkeit, daß Kosovo- Albaner im Falle
ihrer Rückkehr in ihre Heimat massiven staatlichen Repressionen
ausgesetzt sind, ist insgesamt als gering einzustufen. (
)
Als inländische Fluchtalternativen kommen vor allem Zentralserbien
(hier insbes. Belgrad) und Montenegro in Betracht.«
Pressemitteilung des Auswärtigen Amtes Nr. 1023/ 99 vom 31.
März 1999
»Die serbische Strategie der ethnischen Säuberungen
« (Bosnien- Herzegowina und Kosovo)
II. Kosovo: Die serbische Politik der verbrannten Erde
- » Die Zielsetzung der Politik von Milosevic im Kosovo wurde
im März 1990 in dem Programm für die Verwirklichung
von Frieden und Wohlstand im Kosovo und einige Wochen später
in weiteren Dekreten offenbar. Es ging um die Etablierung eines
Apartheid- Systems, das bis heute die politischen und gesellschaftlichen
Verhältnisse im Kosovo bestimmt. Bis zum Ausbruch der bewaffneten
Kämpfe im März 1998 bediente sich die diese Politik
vor allem des Mittels der wirtschaftlichen Verelendung, gepaart
mit rücksichtsloser Repression. (
)
- Nach Ausbruch der Kämpfe im Kosovo im März 1998 wurde
von den Sicherheitskräften eine gezielte Vertreibungsstrategie,
eine Politik der verbrannten Erde betrieben: Nicht nur der UCK,
sondern auch der Zivilbevölkerung sollte ein Verbleib in
den Häusern und Dörfern unmöglich gemacht werden.
Spätestens seit der Entsetzung der Ortschaft Malisevo Ende
Juli 1998 konnte über diese Strategie der BRJ- Streitkräfte
kein Zweifel mehr bestehen. UNHCR und ECMM (Europäische Beobachtermission)
berichteten von Brandstiftungen und mutwilliger Zerstörung
von Häusern und Eigentum, durch die die Rückkehr der
kosovoalbanischen Bewohner verhindert werden sollte.«
Londoner Gericht: »Deutschland kein sicheres Land für
Kosovo- Albaner«
LONDON, 25. März (dpa). Ein britisches Gericht hat am Donnerstag
in einem Grundsatzurteil entschieden, daß vorerst keine
Asylsuchenden aus Kosovo nach Deutschland zurückgeschickt
werden dürfen. In dem Fall ging es um einen Kosovo- Albaner,
der über Deutschland nach Großbritannien gelangt war
und dort politisches Asyl beantragt hatte. Nach EU- Recht muß
ein Asylantrag jedoch in dem EU- Land behandelt werden, das der
Asylsuchende als erstes betritt.
Ein Berufungsgericht in London verwies darauf, daß Deutschland
im vorigen Jahr nur 2,7 Prozent aller Asylsuchenden aus Jugoslawien
anerkannt habe. Damit sei Deutschland kein sicheres Land für
Kosovo- Flüchtlinge.
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