Deportation Class : Internet-Demo gegen das Abschiebegeschäft

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Presseerklärung vom 07.03.2001

Online-Demonstration gegen "Deportation Bussiness"

kein mensch ist illegal und Libertad! rufen zur Blockade der

Lufthansa-Homepage auf.

Die Deutsche Lufthansa AG steht aufgrund ihres Geschäfts mit Abschiebungen

immer stärker in der Kritik. Vor Flugschaltern und Reisebüros, selbst auf

der jährlichen Aktionärsversammlung protestieren antirassistische Gruppen

gegen das "deportation bussiness" der Fluglinie. Das Netzwerk kein mensch

ist illegal (http:\\www.deportation-alliance.com) und die

Solidaritätsinitiative Libertad! (http\\:www.libertad.de) planen nun, diese

Proteste ins Internet auszuweiten.

Wenn Konzerne, die mit Abschiebungen Geld verdienen, ihre grössten Filialen

im Netz aufbauen, dann muss man auch genau dort demonstrieren. Ähnlich wie

bei einer Sitzblockade soll der Zugang zur Homepage der Lufthansa AG durch

tausende InternetnutzerInnen zeitweise versperrt werden. Aber das geht nur,

wenn viele mitmachen. Kein mensch ist illegal und Libertad! rufen deshalb

internationale und deutsche Gruppen auf, sich an den Vorbereitungen der

Internet-Demo zu beteiligen. Ein genauer Termin steht noch nicht fest, aber

für den Tag X erwarten wir mehrere tausend TeilnehmerInnen.

Über 30.000 Menschen werden jedes Jahr per Flugzeug aus Deutschland

abgeschoben - und die Lufthansa mit ihrem "weltumspannenden Verbindungsnetz"

verkauft den Löwenanteil der als "deportee-tickets" gekennzeichneten

Flugscheine. Die Deportation Class bringt also beträchtliche Einnahmen, aber

nicht nur das: seitdem am 28. Mai 1999 der Sudanese Amir Ageeb in einer

Lufthansa-Maschine unter den Misshandlungen deutscher Grenzpolizisten zu

Tode kam, sieht sich der Konzern mit lauter werdenden Forderungen nach einem

Rückzug aus dem schmutzigen Geschäft konfrontiert. Nachdem kein mensch ist

illegal auf die mögliche Haftung der Flugkapitäne im Falle der Tötung oder

Verletzung von Zwangspassagieren hingewiesen hatte, empfahl die

Pilotenvereinigung Cockpit ihren Mitgliedern, zukünftig keine Personen an

Bord zu nehmen, die einen Transport ablehnen oder gar gefesselt sind. Und

selbst die ÖTV forderte ihre im Lufthansa-Aufsichtsrat sitzenden Mitglieder

auf, sich gegen das Geschäft mit den Abschiebungen einzusetzen.

 

Am empfindlichsten dürfte den Konzern-Vorstand jedoch getroffen haben, dass

sich auch in den USA das verschlechterte Image zunehmend bemerkbar macht. In

einem Artikel des Wall Street Journals vom 29. Januar 2001 wurde ausführlich

über die öffentliche Diskussion um die Abschiebeflüge berichtet - keine gute

publicity, wo man die USA gerade zum "Zukunftsmarkt" erklärt hatte. Und den

will Lufthansa durch das Internet erobern. Der eCommerce-Bereich, der jetzt

noch weniger als 10% der Buchungen verzeichnet, soll im Jahr 2005 schon 40%

der gesamten Umsätze erwirtschaften.

So verlockend gewinnträchtig, so anfällig ist der elektronische

Kapitalismus. Zusammen mit der Siemens AG, der Deutschen Telekom und dem BKA

ist die Lufthansa deshalb am "Arbeitskreis zum Schutz von Infrastrukturen"

beteiligt, der abseits der Öffentlichkeit Massnahmen zur polizeilichen

Kontrolle des Netzes vorbereitet. In den Vorstandsetagen fürchtet man

Hackerattacken, wie sie bereits yahoo, CNN und Microsoft trafen - und

vielleicht mehr noch die Ausweitung politischer online-Proteste. Wie

empfindlich Lufthansa auf Kritik aus dem Netz reagiert, wurde schon im

Oktober 2000 deutlich, als der Konzern seine AnwältInnen anwies, einem

Aktivisten von kein mensch ist illegal Unterlassungsgelder anzudrohen, falls

nicht eine kritische Plakatausstellung aus dem Internet verschwinde. Dieses

recht konventionelle Vorgehen führte jedoch nur dazu, dass sich weltweit

dutzende Internetprojekte gegen die Zensurversuche solidarisierten und die

Ausstellung durch Spiegelung auf ihren Servern weitere Verbreitung fand.

Man darf gespannt sein, wie die Lufthansa auf die online-Demo reagiert. Der

Konzern verfügt über enorme Rechenkapazitäten für seine Internetpräsenz.

Sollte es trotzdem gelingen, die Homepage wie geplant zu blockieren, würde

dies sicherlich nicht das Vertrauen der KundInnen fördern, die zukünftig

nicht mehr im Reisebüro, sondern im Internet buchen sollen. Wir sind

optimistisch und setzen darauf, dass die Kritik an den Abschiebeflügen schon

so breite Kreise erreicht hat, dass eine grosse Demonstration mit

internationaler Beteiligung zustandekommen wird. Proteste auf Flugschaltern

wird es natürlich weiterhin geben. Damit computerunkundige DemonstrantInnen

aber auch per Mausklick teilnehmen können, wird noch rechtzeitig vor der

Internet-Demo eine Protest-Software veröffentlicht.

7. März 2001

kein mensch ist illegal und Initiative Libertad!

Kontakt: online-demo@gmx.net oder 0177-5029083

Informationen: www.deportation-alliance.com oder

www.libertad.de/projekte/depclass/demo

 

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