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Die Tageszeitung vom 3. Juli 1999
Neuer Abschiebeknast: Im Brandfall eine Falle
Scharfe Kritik am neugebauten Abschiebeknast: Gekachelte Zellen
ohne Fenster verstoßen gegen Menschenwürde Beamte
arbeiten an Nachbesserung
Im Polizeihaus reagiert man empfindlich auf Kritik. "Wir
geben jetzt keine Planungsunterlagen über den Abschiebegewahrsam
heraus", trägt Polizeipressesprecher Norbert Kunze die
Weigerung der zuständigen Abteilung weiter. Eine Stellungnahme
der Grünen zum neugebauten Abschiebeknast hatte gestern offenbar
hausintern für Wirbel gesorgt. "Kein Umzug ohne Nachbesserung"
hatte der grüne Innenpolitiker Matthias Güldner darin
für den Neubau des Abschiebeknasts an der Kaserne Vahr gefordert,
der polizeilichen Äußerungen zufolge nach nordrhein-westfälischen
Richtlinien gebaut wurde. Doch eben diese bleiben jetzt unter
Verschluß.
Die Kritik der Grünen am millionenschweren Neubau fällt
hart aus und auch in der zuständigen Belegschaft des Polizeigewahrsams
rumort es. Eine ungewöhnliche grün-grüne Allianz
scheint sich anzubahnen. Die Gründe: Die bis unter die Decken
rundum-gekachelten Zellen im Neubau haben keine Fenster. Tageslicht
fällt nur durch Glasbausteine, Luft wird nur per Klimaanlage
eingeschleust. "Das erinnert an Opas Psychiatrie", so
Güldner. Zudem fehlten sogenannte Schamwände vorm Toilettenbereich.
Die Flüchtlingshelferin Ghislaine Valter von "Grenzenlos"
ist entsetzt. "Wenn man uns wie gefordert Einsicht in die
Baupläne gegeben hätte, wären diese teuren Fehler
vermieden worden." Der Bremer Rechtsanwalt Holger Hoffmann
zitiert europäische Strafvollzugsgrundsätze, nach denen
Fenster aus durchsichtigem Glas mit Lüftungsmöglichkeit
zu fertigen seien. "Daß Abschiebehaftzellen schlechter
ausgestattet sein sollen als Strafhaftzellen, ist nicht einzusehen."
Zugleich weist er darauf hin, daß Abschiebehäftlinge
juristisch keine Straftäter seien, sondern lediglich gegen
ausländerrechtliche Bestimmungen verstoßen haben.
"Wir suchen noch nach einer Lösung für eine Toilettenabtrennung",
sagte gestern beim Ortstermin mit der taz der Leiter des Polizeigewahrsams,
Johann Janssen. Den hallenden Kachelwänden gewinnt er selbst
wenig ab. "Sowas hatten wir mal auf einer Dienststelle. Das
haben wir da aber schnell abgestellt", sagt er. Unerträglich
sei das gewesen. "Aber hier haben wir unsere Vorgaben."
Im Abschiebeknast diene diese Ausstattung "der Sicherheit
auch im Brandfall".
Der Grüne Güldner allerdings fürchtet im Brandfall
eher große Probleme. "Den Planern muß die Sicherheit
in der Abschiebehaft schnuppe sein", moniert er. "Der
Gang im Männertrakt macht mir Sorgen", räumt auch
Janssen ganz vorsichtig ein. Denn die Zellentüren, das wurde
beim Ortstermin deutlich, öffnen so in den Gang, daß
sie unweigerlich zusammenstoßen. "Unter Brandschutzgesichtspunkten
eine hochproblematische Bauweise", sagt Güldner. "Wir
haben jede Menge Feuerlöscher", meint zwar Janssen aber
auf die Frage, wie er im Notfall zum Brandherd kommen will, bleibt
er die Antwort schuldig.
Das hochmoderne Gebäude verfügt zwar über Beobachtungskameras,
Gegensprechanlage und Rauchmelder, nicht aber über eine Sprinkleranlage.
Im Panikfall könnten die Türen den Gang versperren.
Auch würde sich im Notfall kein Häftling durch ein Zellenfenster
draußen bemerkbar machen können. Ebensowenig hätte
ein Löschtrupp Zugang von außen.
Auch Beamte im Gewahrsam, deren Arbeitsplatz einen Stock tiefer
geplant ist, fürchten: "Im Notfall geht da keiner hoch".
Der Notfall könnte auch Randale sein
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