PRO ASYL Press Release - Presseerklärung

(partially translated)

Press release

Presseerklärung

May 13, 1999

13. Mai 1999

Rhine-Main-Airport: Children no more reliable to airport asylum procedure

Rhein-Main-Flughafen: Kinder nicht mehr im Flughafenasylverfahren

PRO ASYL welcomes changed practice as "a first step"

PRO ASYL begrüßt geänderte Praxis als "ersten Schritt"

Signal demanded to unrestricted implementation of UN Children Convention

Signal zur uneingeschränkten Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention gefordert

Dementi FR vom 18.5.


As a "pleasant first step" abolishing one of the worst hardships of the airport procedure", describes the spokesperson of PRO ASYL, Heiko Kauffmann, the new practice of the Federal Border Guard, to remove unaccompanied refugees under 16 years old from the airport asylum procedure. This results apparently from a decision of the Federal Minister of the Interior.

According to PRO ASYL since the beginning of this week unaccompanied refugee children are immediately handed over upon arrival at Frankfurt airport to an educationally specialised reception facility outside the airport. By this they are no more reliable to the airport asylum procedure in the transit zone.

Since years PRO ASYL had insisted together with other refugee and children protection associations on the removal of children from the airport asylum procedure due to the fact that the procedure was not adequate to minors and the reception facilities were not suitable for children..


















"Real signals of children and refugee policy would be - according to the demands of the UN-Convention on the Rights of the Child, to grant protection of children up to the majority - to raise the procedural ability up to 18 years and to cancel the reservations declared by the Federal Republik of Germany on occasion of the ratification", said Kauffmann.


Als einen "erfreulichen ersten Schritt, eine der schlimmsten Härten des Flughafenverfahrens zu beseitigen", bezeichnet der Sprecher von PRO ASYL, Heiko Kauffmann, die neue Praxis des Bundesgrenzschutzes, unbegleitete Flüchtlinge unter 16 Jahren aus dem Flughafenverfahren herauszunehmen. Offenbar gehe dies auf eine Entscheidung des Bundesinnenministers zurück.

Laut PRO ASYL werden seit Anfang dieser Woche unbegleitete Flüchtlingskinder, die am Frankfurter Flughafen ankommen, unmittelbar an eine pädagogisch betreute spezialisierte Aufnahmeeinrichtung außerhalb des Flughafens weitergeleitet. Sie werden damit nicht mehr dem Flughafenasylverfahren im Transitbereich unterworfen.

PRO ASYL hatte sich gemeinsam mit anderen Flüchtlings- und Kinderschutzorganisationen seit Jahren für die Herausnahme von Kindern aus dem Flughafenasylverfahren eingesetzt, da das Verfahren für Minderjährige nicht adäquat und die Unterbringungsverhältnisse auf dem Flughafen nicht kindgerecht seien. Versuche des Bundesgrenzschutzes, durch die Einrichtung eines Kinderbetreuungsraumes mit Spielsachen und die Abstellung von Bediensteten für die Betreuung der Kinder einen gegenteiligen Eindruck zu erwecken, waren auch bei Richterinnen und Richtern auf Skepsis gestoßen.

"Mit der nun veränderten Praxis setzt Schily ein flüchtlingspolitisches Zeichen gegen die Linie seines Amtsvorgängers Kanther, der das Flughafenverfahren für Minderjährige durch Erlaß im Jahre 1994 eingeführt hat", erklärte Kauffmann.

Bei diesem ersten Schritt handele es sich allerdings nur um den bereits 1996 von allen Parteienvertretern im Innenausschuß ausgehandelten Minimalkonsens, der dann nachträglich von der CDU noch zu Fall gebracht wurde.

"Wirkliche kinder- und flüchtlingspolitische Signale wären - entsprechend den Forderungen der Kinderrechtskonvention, Kinderschutz bis zur Volljährigkeit zu gewähren - die Heraufsetzung der Verfahrensfähigkeit auf 18 Jahre und die Rücknahme der seitens der Bundesrepublik Deutschland bei der Ratifizierung abgegebenen 'Vorbehalts-Erklärungen'", sagte Kauffmann: "Hier steht die rot-grüne Bundesregierung den Menschenrechts- und Flüchtlingsinitiativen noch im Wort!"

Allerdings bedürften auch weitere Probleme des Flughafenverfahrens der Lösung. So nähmen die Probleme der Menschen, die sich nach Ablehnung ihres Asylverfahrens viele Monate unter kaum auszuhaltenden Lebensumständen im Transit aufhalten müßten, ständig weiter zu. Zur Zeit lebten allein in Frankfurt 17 Menschen länger als 100 Tage im Transit. Weitere 26 Männer, die länger als 100 Tage im Lande seien, habe man vom Transit in Abschiebungshaft gebracht.



Frankfurter Rundschau vom 18.5.1999


Keine neue Regelung für Kinder

BGS: Es bleibt beim Flughafenverfahren für
alle Flüchtlinge


Das Bundesgrenzschutzamt (BGS) dementiert
die Darstellung von Pro Asyl, daß unbegleitete
Flüchtlinge unter 16 Jahren nach einer
Entscheidung von Bundesinnenminister Otto
Schily (SPD) aus dem Flughafenverfahren
herausgenommen worden seien.

Die "neue Praxis", nach der die alleinreisenden
Minderjährigen ihr Verfahren nicht mehr im
Transitbereich des Frankfurter Flughafen
abzuwarten hätten, sondern sofort an eine
spezialisierte Aufnahmeeinrichtung außerhalb von
Rhein-Main gebracht und dort betreut würden, gilt
laut Heiko Kauffmann seit einer Woche. Der
Sprecher der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl hatte
in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung
das "flüchtlingspolitische Zeichen" gewürdigt, das
Schily damit "gegen die Linie seines
Amtsvorgängers Manfred Kanther" gesetzt habe.
Auf FR-Anfrage bekräftigte Kauffmann, er begrüße
die Herausnahme der Flüchtlingskinder und
-jugendlichen aus dem Flughafenverfahren.

Klaus Ludwig, Sprecher des BGS am Flughafen,
nennt die Meldung falsch: "Das Flughafenverfahren
gilt nach wie vor auch für unbegleitete
Minderjährige." Wie ausführlich in der FR berichtet,
durchlaufen die Flüchtlinge bis zu 16 Jahren, die mit
falschen oder ohne Papiere landen, das
Flughafenverfahren mit seinen verkürzten Fristen in
Frankfurt zwar momentan tatsächlich bis auf
Ausnahmen nicht - was allerdings daran liegt, daß
ihnen die äußeren Umstände im Haus C 182 / 183
im Flughafen-Transit nach Auffassung aller
Beteiligten nicht zuzumuten sind. Der
Flughafensozialdienst lehnt aus diesem Grund ab,
sie zu betreuen. Vielmehr werden sie nach der
Landung in "Kinderräumen" des BGS im
Flughafen-Terminal untergebracht und "so schnell
wie möglich, in der Regel nach zwei Tagen"
(Ludwig) -, zum Übergangswohnheim der
Arbeiterwohlfahrt für unbegleitete minderjährige
Flüchtlinge im Frankfurter Westen weitergebracht.

Das solle sich allerdings zu dem Zeitpunkt ändern,
wenn eine neue Unterkunft im Transitbereich
eingerichtet ist, in der auch Räume für die
minderjährigen Flüchtlinge vorgesehen sind. Ludwig
zufolge hat eine für die Planung einberufene
Arbeitsgruppe, in der Vertreter des
Bundesinnenministeriums, des Landes Hessen -
das Land ist auch Kostenträger -, des BGS, des
Flughafensozialdienstes und der Flughafen AG
sitzen, bereits mehrfach getagt: "Eine Lösung ist in
Sicht, ich rechne bis Mitte nächsten Jahres damit",
erklärt der BGS-Sprecher. "Dann haben wir auch
kindgerechte Unterbringungsmöglichkeiten im
Flughafen-Transit - und dann greift das
Flughafenverfahren hier auch wieder für Kinder."

Vergangenes Jahr durchliefen nach
BGS-Darstellung drei der 64 Flüchtlinge unter 16
Jahren, die auf Rhein-Main ankamen, das
Flughafenverfahren. pms