|
Presseerklärung vom 30. Januar 1998 - 2.Meldung
Birmingham: Treffen der EU-Innen- und Justizminister
PRO ASYL: "Verschwörung gegen Flüchtlinge"
Feature über die "Flüchtlingswelle"
Frankfurter Rundschau vom 31.1.1998 (S.2)
Als "Verschwörung gegen politisch Verfolgte und schutzsuchende
Flüchtlinge" bezeichnete Heiko Kauffmann, Sprecher der
Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge PRO
ASYL, das heutige Ergebnis der Beratungen der EU-Innen- und Justizminister
in Birmingham. Hinter den harmlos klingenden Stichworten "Richtlinien
für den Umgang mit der Einreise von Kurden aus der Türkei
und dem Nordirak" verberge sich die harte Linie zur Koordination
der europäischen Abschottungspolitik.
Kauffmann: "Es geht den EU-Ministern nicht mehr darum, Flüchtlinge
zu schützen und die Ursachen ihrer Flucht zu bekämpfen,
sondern darum, Flucht als solche zu verhindern."
Opfer verschärfter Kontrollen, einer quasi-militärischen
Absicherung der Außengrenzen sowie von "Kooperations-Dialogen"
und -Verträgen mit den Verfolgerländern seien aber immer
diejenigen, die wirklich Schutz benötigten und die durch
diese illegitime Flüchtlingsabwehr der europäischen
Staaten zurückgewiesen, gefährdet oder in die Hände
skrupelloser Menschenhändler getrieben würden. Kauffmann
wies darauf hin, daß in der Vergangenheit etwa 65% aller
Kurden aus dem Irak, die in den Staaten der EU um Asyl nachsuchten,
aufgrund ihres Verfolgungsschicksals die Flüchtlingseigenschaft
oder mindestens vorübergehender Schutz zuerkannt werden mußte.
"Geltendes Völker- und Flüchtlingsrecht wie die
Genfer Flüchtlingskonvention und die Europäische Menschenrechtskonvention
werden durch die Beschlüsse des EU-Rates weiter ausgehöhlt.
Die nationalen Parlamente dürfen diese Entwicklung nicht
mittragen!", so Kauffmann abschließend.
Frankfurter Rundschau vom 31.1.1998 (S.2)
Polizeikonferenz stoppt Kurden
Kanther sieht Erfolge im Kampf gegen ,,Illegale"
BIRMINGHAM, 30. Januar (dpa/FR). Bundesinnenminister Manfred
Kanther (CDU) sieht Fortschritte im Kampf gegen illegale Einwanderung.
Vor allem gebe es Erfolge bei dem Problem der kurdischen Flüchtlinge,
von denen im vergangenen Jahr über 30.000 nach Deutschland
gekommen seien, sagte Kanther am Freitag nach dem Treffen der
EU-Innen- und Justizminister in der englischen Stadt Birmingham.
Der Zustrom von Kurden über Italien in die Bundesrepublik
sei seit der Polizeikonferenz in Rom Anfang Januar deutlich geringer
geworden. Kanther begrüßte die Verabschiedung eines
aus 46 Punkten bestehenden Aktionsplans, der unter anderem bessere
Grenzkontrollen und die Einbeziehung der Türkei in die Zusammenarbeit
gegen Schlepperbanden vorsieht.
Die Konferenz entsprach der Bitte Kanthers, bei der geplanten
Datenbank Eurodac für Fingerabdrücke nicht nur Asylbewerber,
sondern auch illegale Flüchtlinge zu erfassen. Das System
soll es ermöglichen, das Land der ersten Einreise zu identifizieren.
Dieses ist nach der Dubliner Konvention für die Asylgewährung
verantwortlich. ,,Es darf keine reinen Transitländer geben",
sagte Kanther. Deutschland nehme 51 Prozent aller Asylbewerber
in der Union auf.
Kanthers italienischer Kollege Giorgio Napolitano wies darauf
hin, daß das geplante verschärfte italienische Einwanderungsgesetz
bisher noch nicht verabschiedet sei. Bisher haben in Italien Flüchtlinge
14 Tage Zeit, einen Asylantrag zu stellen...
Die Hilfsorganisation Pro Asyl bezeichnete die Ergebnisse von
Birmingham als ,,Verschwörung gegen politisch Verfolgte und
schutzsuchende Flüchtlinge". Hinter den ,,Richtlinien"
verberge sich die ,,harte Linie zur Koordination der europäischen
Abschottungspolitik", sagte Sprecher Heiko Kaufmann am Freitag.
|