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Frankfurter Rundschau vom 23.12.1998 Baden-WürttembergAbgeschobene Kurdin darf zu Besuch wiederkommenHintergrund
Die heute 17jährige war 1997 abgeschoben worden. Sie hatte
seit 1994 bei ihrem Bruder in Heidelberg gelebt. Ihr Vater ist
tot, die teilweise gelähmte Mutter lebt in Südanatolien.
Nachdem die Asylanträge abgelehnt worden waren und mehrere
Gerichtsinstanzen attestiert hatten, daß keine Verfolgung
und keine Abschiebehindernisse vorlägen, war sie in ihre
Heimat zurückgeschickt worden.
Am 22. Dezember 1998 hat Baden-Württembergs Innenminister Dr. Thomas Schäuble entschieden und kundgetan, daß Fena Neshe Özmen »ab sofort für einen Besuch nach Deutschland einreisen kann«. Damit ist dem Beschluß des Landtags vom 11. Februar 1998 Rechnung getragen - und Dr. Schäuble hat sein damals gegebenes Versprechen eingelöst.
Dazu Innenminister Thomas Schäuble: »Für
mich ist selbstverständlich, daß ich mein Wort gegenüber
dem Landtag halte. Ich hoffe, daß auch Frau Özmen und
ihre Unterstützer Wort halten, und sie nach nach Ablauf ihres
Besuches wieder freiwillig in ihre Heimat zurückkehrt.«
»In diesem Fall werde die für abgeschobene
Personen gesetzlich geltende Einreisesperre unmittelbar nach der
Rückkehr entsprechend dem Landtagsbeschluß endgültig
aufgehoben«, heißt es weiterhin in der Erklärung
des Innenministeriums.
Am Vormittag des 23. Dezember wollte Neshe bei der
Deutschen Botschaft in Ankara ihr Einreisevisum beantragen. Wenn
alle Formalitäten zufriedenstellend erledigt sind, kann sie
zum ersten Mal legal - und darauf legt sie großen Wert!
- nach Deutschland einreisen.
Das ist für sie - und für uns -
das schönste Geschenk!
Doch nicht nur Sie und wir, die wir nun seit anderthalb
Jahren jeden Mittwochabend um 18 Uhr an der Mahnwache für
Neshe teilgenommen haben, kämpften für ihre Rückkehr.
Wir wurden bundesweit unterstützt von Pro Asyl und der National
Coalition. TV-Sendungen und Veröffentlichungen in der regionalen
und überregionalen Presse (»SPIEGEL«, »Stern«,
»Focus«, »Bravo«, in Tageszeitungen von der
»Frankfurter Rundschau« und der »Süddeutschen
Zeitung« bis zur »taz« sowie in Stadt- und Jugend-Magazinen,
regelmäßig auch in der »Rhein-Neckar-Zeitung«)
zeigten sich auf der Seite von Neshe. Prominente aus Wissenschaft,
Kultur, Politik engagierten sich für Neshes Rückkehr,
darunter der Schriftsteller Martin Walser, Träger
des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1998, Ex-Bundespräsident
Richard von Weizsäcker, die Bestseller-Autorin Ingrid
Noll (»Die Apothekerin«), Opernregisseur Prof.
August Everding, Alt-Bundeskanzler Helmut Schmid, Bundesinnenminister
Otto Schily, Ulrich Maurer, SPD-Präsidiumsmitglied
und Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag von BadenWürttemberg
und MdB Cem Özdemir, Bündnis 90/Die Grünen,
die drei Heidelberger im Bundestag: Angelika Köster-Loßack
(Bündnis 90/Die Grünen), Lothar Binding (SPD)
und Dirk Niebel (FDP).
Nicht zu vergessen: Neshe selbst und ihr Anwalt.
In zähen Verhandlungen haben sie erreicht, daß genügend
glaubwürdige Sicherheiten bei Stadt und Land hinterlegt worden
sind. Wir zitieren aus der Verlautbarung des Innenministeriums:
»Frau Özmen habe nun glaubhaft dargelegt, daß sie ein Visum lediglich zu Besuchszwecken beantrage.« »In einer persönlichen Erklärung habe sie ihr Wort dafür gegeben, daß sie mit Ablauf des maximal dreimonatigen Besuchszeitraumes wieder freiwillig in die Türkei zurückkehren werde.« »Darüber hinaus habe der Anwalt der 17jährigen weitere Unterlagen und Sicherheiten vorgelegt, die die Bereitschaft Fena Özmens zur freiwilligen Rückkehr in die Türkei dokumentierten.«
»Insbesondere sei gewährleistet, daß
dem Staat für den Aufenthalt und für den Rückflug
keine Kosten entstehen.« Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
unterstützen Sie uns weiterhin in unseren Bemühungen,
Neshe eine gute Schul- und Ausbildung - und damit ein freies,
selbstbestimmtes Leben - zu ermöglichen!
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