Presseerklärung vom 11. Juli 1996
Menschenrechtsverletzungen in der Türkei
PRO ASYL fordert Freilassung von inhaftierten Kurden
"Maßstäbe für Menschenrechte gehen zunehmend
verloren."
Die bundesweite Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge
PRO ASYL fordert die Bundes-regierung und die Vorsitzenden der
im Bundestag vertretenen Parteien auf, sich "energisch und
mit unmißverständlichem Nachdruck" bei der neuen
türkischen Regierung für die Freilassung der 39 noch
immer inhaftierten und von der Polizei teilweise schwer mißhandelten
Delegierten der kurdischen HADEP-Partei sowie für die Freilassung
aller politisch Verfolgten einzusetzen.
Unter den Inhaftierten und Gefolterten befände sich auch
die Rechtsanwältin Kudret Gözütok, Vorstandsmitglied
des Menschenrechtsvereins in Bursa, die im vergangenen Jahr in
über 10 Städten der Bundesrepublik über die Menschen-rechtssituation
in der Türkei berichtet hatte.
"Wir sind in großer Sorge um Kudret Gözütok
und um sechs weitere Mitglieder von HADEP, die nach erlittenen
Mißhandlungen während des Haftprüfungstermins
mehrfach zusammengebrochen sind", erklärte der Sprecher
von PRO ASYL, Heiko Kauffmann. Der innenpolitische Kurs der Türkei
verschärfe sich, die Zahl der Ver-schwundenen und Gefolterten
steige; aus der Bundesrepublik abgeschobene Flüchtlinge blieben
bei ihrer Rückkehr nachweislich nicht von Verhaftung, Miß-handlung
und Folter verschont.
"Die Bedingungen des Europaparlaments für die Aufnahme
der Türkei in die EU-Zollunion - u. a. Einhaltung der Menschenrechte
und Freilassung aller verurteilten kurdischen Abgeordneten - sind
bisher in keinem einzigen Punkt erfüllt worden", so
Kauffmann. Statt ihre vorhandenen und gewichtigen Möglichkeiten
der Einfluß-nahme zu nutzen, gingen der deutschen Politik
die Maßstäbe für Menschenrechte immer mehr verloren.
Kauffmann: "Die Zeit ist jetzt reif für eine massive
Verän-derung der deutschen Türkei-Politik! Es muß
Schluß sein mit der selbst verordneten Leisetreterei bei
Menschenrechtsverletzungen!"